EM 2012

15.12.2010 - Sammer warnt den Weltfussball

Die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 nach Russland und in den Wüstenstaat Katar ist fast eine Woche her, doch noch immer gibt es ständig neue Reaktionen zwischen Unverständnis und Empörung. Zudem kommt so manch pikantes Detail zutage.

Rückblick: Am vergangenen Donnerstag hatte Präsident Sepp Blatter die Sieger der vom Weltverband Fifa erstmals als Doppelwahl durchgeführten Abstimmung verkündet. Katar, ein Land so groß wie Schleswig-Holstein mit einer Einwohnerzahl wie Hamburg, wird in zwölf Jahren eines der größten Sportereignisse der Welt ausrichten - bei 50 Grad Außentemperatur, Alkoholverbot und einer Nationalmannschaft, die derzeit Weltranglistenplatz 113 einnimmt. Das Reich der Scheichs hatte Länder wie die USA und Australien aus dem Rennen geschlagen. Die Reaktionen waren einhellig. Während der Fussballmanager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, von einer "nicht optimalen" Wahl sprach, gab sich Fernsehexperte Stefan Effenberg deutlich undiplomatischer: "Das ist eine absolute Fehlentscheidung. Die Bedingungen sind katastrophal. Das ist mir unerklärlich."

Auch Matthias Sammer, der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat die Wahlen am 2. Dezember mit Unbehagen verfolgt. Für ihn bestätigt sich ein unheilvoller Trend, der ihm nicht erst seit der vergangenen Woche ein Dorn im Auge ist. "Die Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 nach Katar ist das eine, aber wenn ich sehe, dass die kommenden EM 2012 der U 17 und U 19 in Rumänien, Serbien, Estland, Litauen und der Slowakei stattfinden, müssen wir das schon hinterfragen dürfen", sagte er der "Welt".

Es ist eine Grundsatzdebatte, die Sammer eröffnet. Werden die großen Turniere tatsächlich inflationär in Länder vergeben, deren Stellenwert im Weltfußball bislang zu vernachlässigen war? Neben den von Sammer genannten Juniorenturnieren spricht die Teilvergabe der Europameisterschaft 2012 in die Ukraine dafür. Ebenso der Zuspruch für Südafrika, wo in diesem Jahr die WM stattfand. Andererseits findet das nächste Weltturnier in Brasilien statt, dem Land des Rekordweltmeisters. Und die Endrunde der Europameisterschaft 2016 wurde Fußballgroßmacht Frankreich zugesprochen.

Sammer erhebt dennoch den mahnenden Zeigefinger in Richtung Fifa und Uefa: "Der Solidargedanke im Fußball ist grundsätzlich richtig, aber wir sollten auch die Verhältnismäßigkeiten berücksichtigen. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass die großen Fußballnationen diesen Sport zu dem gemacht haben, was er heute ist."

Auch die Wahl Russlands, fußballerisch weit weniger bedeutend als politisch, hat einen faden Beigeschmack. Vor allem, weil Mitbewerber England bereits in der ersten Wahlrunde ausschied - mit zwei von 22 Stimmen. Auf den ersten Blick ist dieser Schlag ins Gesicht des Fußball-Mutterlandes unerklärlich, wurde den Briten doch im Vorabtest einer unabhängigen Beratungsagentur als einzigem Land eine 100-prozentige Eignung als Gastgeber bestätigte. Russland belegte dabei den letzten Platz (86 Prozent).

Eine mögliche Erklärung liefert nun das japanische Fifa-Exekutivmitglied Junji Ogura. Er sagte, die Enthüllungen britischer Medien hätten das Wahldebakel herbeigeführt: "Was ich sagen kann, ist, dass die Berichte definitiv einen Einfluss auf Englands Bewerbung hatten. Daran gibt es keinen Zweifel", wird der Japaner von der Nachrichtenagentur Kyodo zitiert. Vor den Wahlen hatte die "Sunday Times" zwei Mitglieder des Exekutivkomitees überführt, die bereit waren, ihre Stimmen zu verkaufen - beide wurden suspendiert. Der Fernsehsender BBC hatte zudem drei weiteren stimmberechtigten Fifa-Funktionären nachgewiesen, Ende der 90er-Jahre Bestechungsgelder einer mittlerweile insolventen Rechteagentur angenommen zu haben. Andy Anson, der Chef des englischen Bewerbungskomitees, hatte nach der Niederlage behauptet, Präsident Blatter habe kurz vor der Wahl vor dem Exekutivkomitee von den "bösen britischen Medien" gesprochen. "Uns wurde gesagt, dass die Berichterstattung uns gekillt hat", sagte Anson. Gerüchten zufolge soll Blatter gar Dossiers mit den betreffenden Artikeln an die Wahlberechtigten ausgegeben haben.

Auch die Wahl Katars wird von unschönen Meldungen begleitet. Das "Wall Street Journal" hatte von einer 60-Millionen-Euro-Spende des Wüstenstaates an den argentinischen Fußballverband berichtet, um dessen Liquidität zu wahren. "Warum in Gottes Namen soll unser Verband so hohe Schulden haben? Es ist Fakt, dass wir einen soliden Vertrag mit der argentinischen Regierung besitzen. Alles läuft zur vollsten Zufriedenheit", sagte Verbandspräsident Julio Grondona, der auch Vizepräsident der Fifa ist.

Vor der Wahl hatte sich Katars Exekutivkomiteemitglied Mohamed Bin Hammam offen zu Absprachen bekannt. So soll sein Verband den Stimmenaustausch mit Spanien beschlossen haben, das sich gemeinsam mit Portugal um die WM 2018 beworben hatte. "Wenn es einen Deal gibt zwischen mir und Angel Maria aus Spanien oder anderen Beteiligten des Exekutivkomitees, dann sehe ich das nicht als Problem. Vielleicht sehen sie das aus europäischer Perspektive als Problem", sagte er der ARD.

Einer grundsätzlichen Reform ihres Abstimmungsmodus' verschließt sich die Fifa weiterhin. Präsident Michel Platini vom europäischen Verband Uefa hatte in der "Welt am Sonntag" gesagt: "Ein neues Wahlprozedere wäre wünschenswert. Es geht einfach um zu viel Geld. Vielleicht müssten sie versuchen, ein besseres System zu finden." Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke lehnte das zum jetzigen Zeitpunkt ab: "Wir haben erst am Donnerstag gewählt. Es gab keine Diskussion über eine Reform unseres Wahlsystems." Im Gegenteil: Die Doppelwahl sei "perfekt organisiert, völlig transparent und perfekt unter Kontrolle".

Quelle: http://www.welt.de/print/die_welt/sport/article11464719/Sammer-warnt-den-Weltfussball.html

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14.12.2010 - EM 2012 - Torrichter

UEFA will Torrichter bei Fußball-EM 2012 einsetzen Prag (dpa) - Die im Europapokal erprobten Torrichter sollen auch bei der Europameisterschaft 2012 zum Einsatz kommen. Das beschloss das Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) am in Prag. Man wolle das in der Europa League und Champions League «erfolgreiche Experiment» ausweiten, hieß es in einer UEFA-Mitteilung. Deshalb solle ein Antrag beim Weltverband FIFA und dem bei Regelfragen zuständigen International Football Association Board (IFAB) gestellt werden. Das Modell mit zwei zusätzlichen Schiedsrichtern hinter der Torauslinie war in der vergangenen Saison erstmals in der Europa League getestet worden. Am 18. Mai hatte das IFAB beschlossen, die Erprobungsphase zu verlängern. Seitdem werden die Torrichter auch in der Champions League und der EM-Qualifikation eingesetzt. Die FIFA hatte bei der WM in Südafrika auf Torrichter verzichtet. UEFA-Präsident Michel Platini hingegen ist ein Verfechter der zusätzlichen Offiziellen an der Torauslinie, die die Referees bei strittigen Strafraum-Szenen unterstützen sollen. Zudem beschloss das UEFA-Exekutivkomitee den Start eines Investitionsprogramms, mit dem die Mitgliedsverbände zwischen 2012 und 2016 bis zu neun Millionen Euro erhalten können. Dafür müssen diese unter anderem die Lizenzierungsrichtlinien für Clubs umsetzen oder an bestimmten Wettbewerben teilnehmen. Quelle: http://newsticker.sueddeutsche.de/
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